Sie befinden sich hier: Herzlich Willkommen / Erinnerungen

Erinnerungen und was sie uns bedeuten

 

Liest man die spärlichen Aufzeichnungen, wälzt die Kirchen- und Rechnungsbücher der Bezirke, dann ergibt sich ein vielschichtiges Bild.

 

Mit wie viel Liebe, Berufung und Engagement für den Dienst haben sich Pfarrer von Anfang an für das Wohl der Menschen eingesetzt. Es war ihnen wichtig, auch jene Menschen zu erreichen, die bereits sehr wohl in einer Kirche beheimatet waren, im Wissen darum, dass das, was zum umfassenden Heil – Sein dazu gehört, manchmal zu kurz kommt. Die Zeitzeugnisse lesen sich entsprechend: Menschen, die sonntags nicht zur Kirche gehen konnten, fanden unter der Woche nur bei den Methodisten in Basel offene Türen für Gottesdienst, Abendmahl und Seelsorge.

In wirtschaftlich äusserst angespannten Zeiten haben sich Pfarrer und Laien berufen gewusst, frohe Botschaft – Evangelium in dieser Stadt zu verkünden, und auch zu leben. Was das bedeutet hat, lässt sich heute nur noch ahnen. In den Kirchenbüchern und Unterlagen werden nur die Pfarrer erwähnt, nie ihre Familien. Das Predigergehalt betrug am Allschwilerplatz 1918 ca. 225.- Fr. im Quartal! Damals hat jede Gemeinde ihren Prediger noch selbst gezahlt.

 

Aber es waren ja nicht nur die Gottesdienste, die zu einer intensiven Gemeinschaft beitrugen, sondern vor allem das Leben in den „Klassen“ (heute würde man sie Hauskreise nennen). Da hat man sich umeinander gekümmert und für einander gesorgt, nachgefragt und Menschen begleitet. Erstaunlich war eine kurze Notiz, die besagt, dass die Gemeinde am Allschwilerplatz 1927 bereits sehr spendenfreudig war im Blick auf „Ausländer“. Sie unterstützte damals die Armenierfreunde und sammelte Geld für Menschen in Not. Wenn wir heute die seelsorgerliche Arbeit und die direkte Hilfe unter Asylbewerberbern (OeSA) unterstützen, dann tun wir das, was Menschen in den Gründungszeiten unserer Gemeinde auch getan haben.

 

Mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der Tendenz hin zum Individualismus ist diese Stärke der Methodisten, sich engmaschig umeinander zu kümmern, zwischenzeitlich verloren gegangen.  

Heute scheint sie wieder mehr gefragt zu sein. Wir erleben das hautnah in unserem  Quartier: wie wichtig sind ein offenes Haus, niederschwellige Angebote, Gemeinschaft, die Möglichkeit zum Gespräch, Seelsorge – auch auf der Strasse, Kontaktpflege, wenn man sich begegnet und wie nötig ist eine Kirche vor Ort, die Türen und Herzen offen behält für alle die kommen. So versuchen wir das weiter zu leben, was Menschen damals begonnen haben

 

Die Kirchenbücher des Bezirks lesen sich aufschlussreich. Menschen wurden aufgenommen, bei anderen Pfarrern wieder entlassen, sind weggegangen, weil ihnen dies und das nicht gefallen hat, haben sich mit dem Pfarrpersonen oder Verwaltern nicht verstanden… Der Bezirk Allschwilerplatz war bis in die Gegenwart eine „Durchgangsgemeinde“ (gerade auch während der Kriegszeiten). Menschen gehörten mehr oder weniger eng dazu, gingen wieder weg, haben andere Gemeinden gesucht, Jugendliche sind weggezogen, haben sich in anderen Kirchen niedergelassen. Offensichtlich gehört es wie in anderen Kirchen auch in unserer Kirche dazu, dass es „menschelt“ und manch eine(r) nicht über Schatten der Vergangenheit springen kann.

 

Dennoch sind immer Menschen da, die in dieser Gemeinde beheimatet sind, Fuss gefasst haben, sich tatkräftig engagieren und bleiben. Menschen, die sich mit Herz und Leben für andere einsetzen. Für das grosse Engagement an Freiwilligenarbeit sind wir sehr dankbar und wünschen allen MitarbeiterInnen immer wieder Begeisterung aus Gott und Freude.

 

In der methodistischen Tradition wollen wir unsere Identität leben.

United Methodist Church